Damit dieser Ablauf funktioniert, brauchen die Agenten eine verlässliche Übergabe. Jeder Beteiligte muss wissen, welche Aufgabe bereits erledigt wurde, welche Informationen gelten und wo eine Entscheidung noch offen ist. Gleichzeitig darf ein Agent nur die Daten und Funktionen nutzen, die er für seine Aufgabe benötigt.
Die kurze Antwort: Eine gute Übergabe zwischen KI-Agenten enthält eine eindeutige Aufgabe, einen nachvollziehbaren Arbeitsstand, zugelassene Quellen und ein definiertes nächstes Vorgehen. Berechtigungen, Prüfungen und menschliche Freigaben begrenzen, was aus der Übergabe tatsächlich folgen darf.
Wie arbeiten mehrere KI-Agenten zusammen?
KI-Agenten, auch AI Agents genannt, sind Softwaresysteme, die ein definiertes Ziel verfolgen und dafür je nach Ausgestaltung Informationen auswerten und Werkzeuge einsetzen. Ein Sprachmodell kann Eingaben verarbeiten und einen nächsten Schritt vorschlagen; angebundene Funktionen und Regeln bestimmen, welche Aktionen tatsächlich möglich sind. Ein Chatbot beantwortet häufig einzelne Fragen. Ein Agent kann zusätzlich Aufgaben über mehrere Schritte bearbeiten und dabei auf zugelassene Systeme zugreifen.
In einem Multi-Agenten-System übernehmen spezialisierte Agenten unterschiedliche Teilaufgaben. Eine koordinierende Komponente kann den Arbeitsablauf steuern, Ergebnisse entgegennehmen und den nächsten Schritt auslösen. Die konkrete Architektur unterscheidet sich je nach Anwendung: Agenten können Aufgaben autonom innerhalb definierter Grenzen erledigen; menschliche Kontrolle und Freigaben bleiben für relevante Entscheidungen vorgesehen.
Welche Aufgaben können KI-Agenten gemeinsam automatisieren?
KI-Agenten übernehmen vor allem dann sinnvoll Teilaufgaben, wenn Eingaben, Zuständigkeit und erwartetes Ergebnis hinreichend klar sind. Im Kundenservice könnte ein Agent eine Anfrage einordnen, ein zweiter passende Produktinformationen suchen und ein dritter eine Antwort zur Prüfung vorbereiten. Für die Priorisierung offener Anfragen braucht das Team zusätzlich nachvollziehbare Kriterien und einen Weg zur manuellen Korrektur.
Solche Workflows können wiederholende Aufgaben beschleunigen und Geschäftsprozesse unterstützen. Ob die Automatisierung tatsächlich Zeit spart, zeigt erst der Vergleich mit dem bisherigen Ablauf einschließlich Prüfung, Betrieb und Fehlerbehandlung. Komplexe Aufgaben profitieren von einer Aufteilung nur, wenn die Übergaben zuverlässig funktionieren und der zusätzliche Koordinationsaufwand angemessen bleibt.
Warum die Übergabe über die Qualität entscheidet
In einem Unternehmen arbeiten Menschen selten mit allen Informationen gleichzeitig. Der Vertrieb benötigt andere Details als die Buchhaltung, und die Freigabe eines Angebots verlangt mehr Verbindlichkeit als eine erste Recherche.
Für ein Team aus KI-Agenten gilt dasselbe. Wenn ein Agent lediglich das Ergebnis „Angebot fertig“ weiterreicht, fehlen möglicherweise Preisstand, Quelle und offene Fragen. Der nächste Agent kann dann auf einer unvollständigen Grundlage weiterarbeiten.
Eine strukturierte Übergabe macht diese Informationen sichtbar. Sie hilft außerdem, Fehler einzugrenzen: War die Quelle veraltet? Hat ein Agent eine Annahme getroffen? Oder wurde eine Freigabe für eine andere Fassung erteilt?
Was sollte eine Übergabe zwischen KI-Agenten enthalten?
Die passende Struktur hängt vom Prozess ab. Für eine Angebotsvorbereitung kann eine Übergabe beispielsweise diese Felder enthalten:
| Bestandteil | Beispiel | Nutzen |
|---|---|---|
| Vorgang | Anfrage-ID und Kundenreferenz | Ordnet die Aufgabe eindeutig zu. |
| Auftrag | „Angebotsentwurf vorbereiten“ | Beschreibt Ziel und Grenzen. |
| Arbeitsstand | Kundenwunsch erfasst, Artikel geprüft | Zeigt, was bereits erledigt ist. |
| Quellen | Freigegebene Preisliste mit Version | Macht die Grundlage überprüfbar. |
| Offene Punkte | Liefertermin für Artikel B fehlt | Verhindert, dass eine Lücke unbemerkt bleibt. |
| Nächster Schritt | Entwurf an Vertrieb zur Prüfung | Legt den Empfänger und das erwartete Ergebnis fest. |
| Freigabestatus | Entwurf, noch nicht freigegeben | Trennt Vorbereitung und verbindliche Handlung. |
Diese Tabelle ist eine Gestaltungsempfehlung. Welche Felder ein konkretes System benötigt, entscheiden Prozess, Risiken und die beteiligten Anwendungen.
Beispiel: Von der Kundenanfrage zum geprüften Angebot
Stellen Sie sich einen mittelständischen Anbieter technischer Komponenten vor. Die folgende Situation ist ein fiktives Beispiel; sie beschreibt keinen dokumentierten Kundenfall.
1. Anfrage erfassen. Ein Eingangssystem nimmt die Nachricht entgegen. Der erste Agent erkennt den gewünschten Artikel und legt einen Vorgang an. Ist die Kundenzuordnung unklar, kennzeichnet er sie zur Prüfung.
2. Informationen beschaffen. Ein weiterer Agent sucht die freigegebene Produktbeschreibung und die gültige Preisliste. Er übergibt Fundstellen und Versionsinformationen. Ein unsicherer Liefertermin bleibt als offene Frage sichtbar.
3. Entwurf erstellen. Der Angebotsagent erstellt einen Vorschlag aus den verfügbaren Angaben. Fehlende Angaben werden als solche ausgewiesen. Eine veraltete Preisliste wird nicht durch eine plausible Schätzung ersetzt.
4. Fassung freigeben. Eine zuständige Person prüft Preis, Liefertermin und Bedingungen. Die Freigabe sollte sich auf die konkrete Angebotsfassung beziehen. Ändert sich danach ein wesentlicher Inhalt, sieht der Prozess eine erneute Prüfung vor.
5. Versand und Dokumentation. Erst nach erfolgreicher Freigabe kann eine dafür berechtigte Funktion den Versand auslösen. Der Vorgang dokumentiert, welche Fassung wann freigegeben und versendet wurde. Was technisch protokolliert wird, sollte zum Prozess und zur jeweiligen Datenschutzprüfung passen.
Welche Rechte ein KI-Agent in einem angebundenen ERP-System braucht, behandeln wir im Beitrag zu Lese- und Schreibrechten für KI-Agenten im ERP. Den konkreten Prüfprozess für Angebote erklären wir im Artikel zur Freigabe vor dem Versand.
Gemeinsames Wissen, Memory und Arbeitsstand: drei Aufgaben
Damit mehrere Agenten zusammenarbeiten, lohnt sich eine Unterscheidung zwischen Informationsarten:
- Gemeinsames Unternehmenswissen umfasst zum Beispiel freigegebene Produktinformationen, Prozessbeschreibungen und Richtlinien. Quellen benötigen Verantwortliche, Aktualisierung und passende Zugriffsregeln.
- Memory kann Kontext über eine Sitzung hinaus verfügbar machen, etwa eine dokumentierte Präferenz oder eine frühere Interaktion. Was gespeichert wird und wie lange, muss bewusst festgelegt werden.
- Der Arbeitsstand eines Vorgangs zeigt, was im konkreten Fall bereits geschehen ist und welche Aufgabe als Nächstes ansteht. Dazu gehören Status, offene Punkte und gegebenenfalls Freigaben.
Die Begriffe werden je nach Produkt unterschiedlich verwendet. Auch technisch können sie sich überschneiden: Eine Suche kann etwa frühere Vorgänge oder gespeicherte Erinnerungen abrufen. Wichtig ist, ihren Zweck, ihre Gültigkeit und ihre Berechtigungen zu unterscheiden.
Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG, beschreibt einen Ansatz, bei dem passende Informationen abgerufen und dem Sprachmodell als Kontext bereitgestellt werden. Das National Institute of Standards and Technology erläutert dieses Grundprinzip in seinem RAG-Glossar. Ob ein abgerufenes Dokument für einen bestimmten Nutzer oder Agenten zugelassen und aktuell ist, muss die konkrete Umsetzung zusätzlich prüfen.
Weitere Details zur gemeinsamen Wissensgrundlage finden Sie in unserem Beitrag KI-Agenten mit gemeinsamem Unternehmenswissen. Wie Quellen gepflegt werden können, lesen Sie unter Unternehmenswissen aktuell halten und freigeben.
Wie lassen sich Übergaben technisch koordinieren?
Ein Workflow kann die Schritte in einer festen Reihenfolge koordinieren: Erst wenn eine Prüfung abgeschlossen ist, erhält der nächste Agent eine neue Aufgabe. Alternativ kann eine steuernde Komponente abhängig vom bisherigen Ergebnis entscheiden, welche spezialisierte Funktion als Nächstes gebraucht wird. In beiden Fällen sollte festgelegt sein, welche Eingaben erwartet werden und was bei einem unvollständigen Ergebnis passiert.
Für die Anbindung vorhandener Anwendungen kommen je nach System beispielsweise APIs, also Programmierschnittstellen, infrage. Über sie lassen sich zugelassene Informationen bereitstellen und definierte Aktionen ausführen. Frameworks können bei der Entwicklung helfen; Auswahl, Berechtigungsprüfung und Betrieb müssen zur vorhandenen Infrastruktur passen. Der Übergabetext allein darf eine Schnittstelle nicht zu einer Aktion ermächtigen.
Welche Rechte braucht der empfangende Agent?
Eine Übergabe selbst sollte keine zusätzlichen Rechte verleihen. Die Berechtigung wird für jeden Zugriff und jede Aktion anhand des jeweiligen Kontexts geprüft. Der empfangende Agent prüft, ob er die angefragten Daten lesen und die vorgesehene Funktion ausführen darf. Dabei spielen mehrere Ebenen zusammen:
- Nutzerkontext: In wessen Auftrag wird die Anfrage bearbeitet?
- Datenzugriff: Welche Informationen darf dieser Vorgang verwenden?
- Agentenrolle: Welche Aufgabe ist für den Agenten vorgesehen?
- Funktionsrecht: Darf er lesen, einen Entwurf speichern oder eine Aktion auslösen?
- Zielsystem und Freigabe: Akzeptiert das angebundene System die Aktion, und ist eine notwendige menschliche Freigabe vorhanden?
Ein Beispiel: Der Rechercheagent darf eine freigegebene Preisliste lesen. Daraus folgt noch nicht, dass er Preise im ERP ändern oder ein Angebot versenden darf. Wie sich der Zugriff auf Wissensquellen begrenzen lässt, erläutern wir im Beitrag zur berechtigungsbasierte KI-Suche.
Was passiert bei Fehlern und widersprüchlichen Informationen?
Ein belastbarer Prozess plant auch Fälle ein, in denen ein Agent seine Aufgabe nicht abschließen kann:
- Quelle fehlt: Der Vorgang wartet auf Ergänzung oder wird an eine zuständige Person übergeben.
- Quellen widersprechen sich: Der Agent kennzeichnet den Konflikt und nennt die betroffenen Quellen. Eine Regel oder ein Mensch entscheidet, welche Fassung gilt.
- Zugriff verweigert: Die Aufgabe wird mit einem verständlichen Status gestoppt. Ein anderer Agent erhält dadurch nicht automatisch mehr Rechte.
- Freigabe fehlt oder ist veraltet: Eine verbindliche Aktion bleibt aus, bis die gültige Fassung geprüft wurde.
- Schnittstelle antwortet nicht: Der Vorgang erhält einen Fehlerstatus und eine zuständige Stelle. Wiederholungsversuche müssen so gestaltet sein, dass beispielsweise keine Bestellung doppelt ausgelöst wird.
Auch externe Texte können problematische Anweisungen enthalten. Nachrichten und Dokumente sollten deshalb als Daten behandelt werden; die tatsächlichen Rechte und Aktionen müssen außerhalb ihrer Formulierungen begrenzt sein. OWASP beschreibt dafür unter anderem Zugriffskontrollen und weitere Schutzmaßnahmen in seinem RAG Security Cheat Sheet. Einen konkreten Angriffsweg erläutern wir im Beitrag zu Prompt Injection in E-Mails.
Autonome KI-Agenten und menschliche Entscheidungsfindung
Wie weit autonome KI-Agenten handeln dürfen, hängt vom Prozess und dem Risiko einer Handlung ab. Das Sortieren einer Anfrage kann innerhalb definierter Regeln erfolgen. Bei abweichenden Preisen, unklaren Lieferbedingungen oder rechtlich verbindlichen Zusagen sollte eine zuständige Person den Vorgang beurteilen. Diese Grenze sollte im Ablauf technisch durchgesetzt und regelmäßig überprüft werden.
Menschliches Urteilsvermögen ist auch beim Umgang mit Fehlern gefragt: Wenn widersprüchliche Quellen eine Entscheidung verhindern, muss ersichtlich sein, wer übernimmt. So kann agentische KI Routineaufgaben unterstützen und das Team behält die Kontrolle über wesentliche Entscheidungen.
Verantwortlichkeiten und Ergebnisse messbar machen
Die Zusammenarbeit mit KI-Agenten braucht klare Verantwortlichkeiten im menschlichen Team. Bestimmen Sie, wer den Prozess fachlich verantwortet, wer Datenquellen aktualisieren darf und wer technische Störungen bearbeitet. Mitarbeitende müssen wissen, wo sie einen offenen Vorgang finden und wie sie eingreifen können.
Für einen Pilotversuch können Unternehmen die Effizienz anhand weniger Kennzahlen messbar machen: Wie lange dauert ein Vorgang von der Anfrage bis zum geprüften Entwurf? Wie oft fehlen Daten oder ist eine manuelle Korrektur erforderlich? Wie viele Übergaben scheitern? Vergleichen Sie diese Werte mit einem dokumentierten Ausgangszustand und prüfen Sie zugleich die Qualität der Ergebnisse. Eine schnellere Bearbeitung allein belegt noch keinen wirtschaftlichen Vorteil.
Fünf Fragen für den ersten Test
Bevor mehrere Agenten einen geschäftlichen Ablauf bearbeiten, empfehle ich einen begrenzten Test mit Beispieldaten und klaren Zuständigkeiten:
- Ist die Übergabe vollständig? Prüfen Sie einen normalen Vorgang und einen mit fehlender Information.
- Bleiben Rechte erhalten? Testen Sie einen Zugriff, der für die empfangende Rolle gesperrt sein muss.
- Sind Quellen nachvollziehbar? Lassen sich verwendete Dokumente und deren Stand identifizieren?
- Greift die Freigabe für die richtige Fassung? Ändern Sie den Entwurf nach der Prüfung und kontrollieren Sie den weiteren Ablauf.
- Ist der Fehlerfall beherrschbar? Simulieren Sie eine nicht erreichbare Schnittstelle und prüfen Sie, wie der Vorgang fortgesetzt wird.
Definieren Sie vorab, wer den Test bewertet und welche Ergebnisse für den nächsten Schritt ausreichend sind. So wird aus einem interessanten Prototyp ein Ablauf, den Ihr Team fachlich beurteilen kann.
Wie unterstützt AI Cowork die Zusammenarbeit?
AI Cowork ist auf unternehmensbezogene KI-Arbeitsabläufe mit virtuellen Mitarbeitern, Firmenwissen und Freigaben ausgerichtet. Welche Datenquellen, Rollen, Übergaben und Prüfungen für einen konkreten Prozess geeignet sind, klären wir gemeinsam anhand Ihrer Anforderungen. Die hier gezeigte Übergabestruktur und die Testfälle sind ein fachlicher Vorschlag; ihre konkrete Umsetzung muss für das jeweilige Projekt geprüft werden.
Auf der Seite zu den virtuellen KI-Mitarbeitern erfahren Sie mehr über den Ansatz. In einer kostenlosen Demo können wir einen wiederkehrenden Vorgang aus Ihrem Unternehmen durchgehen und besprechen, welche Aufgaben sich für ein Zusammenspiel mehrerer Agenten eignen.
Häufige Fragen
Müssen mehrere KI-Agenten dieselben Informationen sehen?
Nein. Gemeinsame Quellen können für unterschiedliche Rollen unterschiedlich zugänglich sein. Der benötigte Zugriff hängt vom Auftrag und den Rechten der jeweiligen Person beziehungsweise des Agenten ab.
Ist eine Übergabe zwischen KI-Agenten automatisch sicher?
Nein. Strukturierte Daten erleichtern die Prüfung, ersetzen aber keine Zugriffskontrollen, sicheren Schnittstellen, Freigaben oder Tests. Auch der Umgang mit fehlerhaften und manipulierten Inhalten muss berücksichtigt werden.
Wann reicht ein einzelner KI-Agent?
Wenn eine klar begrenzte Aufgabe mit wenigen Datenquellen und einfachen Rechten zuverlässig bearbeitet werden kann, ist ein einzelner Agent häufig ein sinnvoller Start. Mehrere spezialisierte Rollen können helfen, wenn Aufgaben, Systeme oder Verantwortlichkeiten deutlich auseinandergehen. Der zusätzliche Abstimmungs- und Betriebsaufwand sollte zum Nutzen passen.
Ersetzt ein gemeinsames Memory die Freigabe?
Nein. Ein gespeicherter Verlauf kann Kontext liefern. Für eine verbindliche Aktion sollte der Prozess jedoch festlegen, wer welche konkrete Fassung prüft und wie die Freigabe nachgewiesen wird.

